Im Norden Nicaraguas: Natur und Action pur

Nachdem wir in León ordentlich geschwitzt und in Jiquilillo sehr gut entspannt hatten, waren wir voller Energie und Tatendrang als wir den Norden Nicaraguas erkundeten. In den zehn Tagen haben wir vier sehr unterschiedliche Städte gesehen, unsere Trailschuhe und Beine mal wieder gefordert und die tolle Natur der Northern Highlands hautnah erleben können.

Nicaragua Norden Route Grafik

Unsere Route führte uns von León ausgehend zunächst nach Matagalpa, dann über Jinotega nach San Rafael del Norte und schließlich nach Estelí und von dort in einem Tagesausflug zum Somoto Canyon. Insgesamt waren wir 10 Tage unterwegs und fuhren von Estelí über Managua weiter zur südlichen Pazifikküste zum Playa Maderas.

Matagalpa

Nicaragua Norden Matagalpa Blick vom Kreuz

Von León aus fuhren wir im Chickenbus nach Matagalpa. Was ein nützlicher Tipp gewesen wäre: die Busse sind so voll (zumindest war unser Bus es), dass man morgens Tickets kaufen sollte um einen Sitzplatz zu bekommen. Da wir das nicht wussten, standen wir von den 2,5 Stunden Fahrt ganze zwei Stunden im Gang – eingequetscht zwischen vielen Menschen.

Unsere Unterkunft in Matagalpa

In Jiquilillo hatten wir Alessa kennengelernt, die uns mit vielen guten Tipps für Nicaragua versorgte. Sie hatte uns auch das Hotel El Castillo* empfohlen, in dem wir vier Nächte verbrachten. Das Hotel ist gut gelegen, nahe bei der großen Kathedrale und mit vielen guten Restaurants in der Umgebung. Zudem hat man von den Balkonen und der Terrasse einen tollen Ausblick auf die Stadt. Unser Tipp: definitiv ein Zimmer mit Balkon nehmen! Das sind die schönsten Zimmer. Für 22US$ bekamen wir zusätzlich zur Übernachtung morgens ein einfaches Frühstück.

Wanderung zum Kreuz

Oberhalb der Stadt thront auf einem der Berge ein riesiges Kreuz, das abends auch angestrahlt wird. Wir hatten erzählt bekommen, dass der anstrengende Anstieg sich lohnt, da man von dort oben einen tollen Ausblick über Matagalpa und die umliegenden Berge haben würde. So brachen wir auf und machten uns zunächst auf den Weg außerhalb der Stadt zum Eingang in den Nationalpark.

Dort erwartete uns schon ein alter Mann, der uns freundlich begrüßte und uns die 30 Cordoba (1€) Eintritt pro Person abnahm. Mit Hilfe einer selbst gemalten Karte erklärte er uns den bevorstehenden Weg und wünschte uns viel Spaß. Und so spazierten wir die Stunde bis zur Bergspitze allein durch den teilweise sehr dichten Wald. Der Weg führte uns über Steine, Flüsse und immer weiter bergan. Wir genossen diese Wanderung sehr, weil sie auch eine willkommene Abwechslung zu Strand und Städten darstellte.

Nicaragua Norden Matagalpa Wanderung

Vom Kreuz aus bot sich dann der versprochene schöne Ausblick über Matagalpa. Hier legten wir eine Pause ein, aßen den mitgebrachten Kuchen und genossen die Landschaft um uns herum. Eine wirklich empfehlenswerte Wanderung, die von der Stadt aus insgesamt nur ca. 3 Stunden dauert.

Selva Negra

Etwa 10 Kilometer nördlich von Matagalpa befindet sich der Schwarzwald – die Selva Negra. Diese riesige Anlage wurde ursprünglich von deutschen Auswanderern gegründet und wird wohl heute auch noch von deren Nachfahren geleitet. Von Matagalpa aus kann man die Selva Negra am besten mit dem Chicken Bus erreichen. Jede halbe Stunde starten die Busse Richtung Jinotega und auf halber Strecke kann man sich dann bei der Selva Negra rauswerfen lassen. Von der Straße aus läuft man noch einen Kilometer bis zum Resort.

Nicaragua Norden Selva Negra Anlage

Um auf dem Gelände wandern zu können, muss man Eintritt zahlen. Entweder kann man 100 Cordoba (3€) pro Person zahlen oder 200 Cordoba und dafür einen Essensgutschein in dem Wert bekommen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden und im guten (aber auch eher teuren) Restaurant leckere Burger gegessen. Für ein Stück Kuchen war danach kein Platz mehr, aber wir haben von anderen gehört, dass der auch sehr gut sein soll!

Satt und ausgelassen ging es schließlich für uns auf die gut ausgeschilderten Wanderwege. Kreuz und quer liefen wir durch den Wald, der mit zwitschernden Vögeln und kleinen Nagetieren aufwartete. Die Wege führten uns über 1000 Höhenmeter hinauf und schließlich auch wieder hinunter. Die Luft war fantastisch und wir waren wirklich angetan vom nicaraguanischen Schwarzwald, der sich in seiner Artenvielfalt aber stark vom deutschen unterscheidet!

Nicaragua Norden Selva Negra Weg

Wer mit größerem Budget reist, kann auf dem Gelände auch eine Hütte oder ein Zimmer mieten und weitere Wanderwege erkunden. Zudem werden vor Ort Kaffeetouren durch die hauseigenen Plantagen, Ausritte und viel mehr an Entertainment geboten.

Unser Restauranttipp für Matagalpa: Lunaflor

Neben der schönen Landschaft und vielen Ausflugszielen in der Umgebung bietet Matagalpa auch einige Restaurants, die sehr leckeres Essen kredenzen. Unser Favorit war hier das Lunaflor. Das Restaurant bietet eine Küche mit frischen Zutaten und asiatischen Einflüssen in gemütlicher Atmosphäre. Wir hatten hier ein tolles Curry und Shrimp-Quesadillas. Beim zweiten Besuch teilten wir uns die gemischte Käseplatte, die auch regionalen Käse aus der Selva Negra enthielt. Unbedingt hingehen wenn du in Matagalpa bist!

Jinotega

Nicaragua Norden Jinotega Blick von oben

Dieser kleine Ort liegt zwar nur 45 Kilometer nördlich von Matagalpa, der Chickenbus benötigt aufgrund der kurvigen Straßen aber trotzdem fast zwei Stunden für die Strecke.

Unsere Unterkunft in Jinotega

Nur einen Block von der Kirche und dem Zentralpark entfernt kamen wir im Hotel Central unter. Unser Doppelzimmer mit eigenem Bad kostete uns knapp 16€. Das Zimmer war angenehm kühl und hatte ein sehr bequemes Bett, können wir empfehlen.

Toller Ausblick vom Peña de la Cruz

Von fast jedem Punkt in der Stadt kann man ein Kreuz auf einem der umliegenden Berge sehen. Es wurde wohl bereits 1707 aufgestellt und bietet einen tollen Ausblick auf die Umgebung. Da wir unsere Wanderlust gerade wiederentdeckt hatten, ließen wir uns den steilen Aufstieg daher nicht nehmen. Nachdem wir den Stadtfriedhof überquert hatten, ging es – hauptsächlich über Treppen – nur noch bergauf. Nach ungefähr 40 Minuten schweißtreibendem Anstieg erreichten wir dann das Kreuz, das aus der Nähe wenig ansehnlich war. Dafür war die Aussicht auf Jinotega, den Lago de Apanas und die Berglandschaft umso schöner!

Nicaragua Norden Jinotega Blick Franzi

San Rafael del Norte

Weiter ging unsere Tour durch die Northern Highlands und brachte uns in das kleine Örtchen San Rafael del Norte. Nur eine Busstunde von Jinotega entfernt liegt diese verschlafene Stadt, die noch einmal deutlich kleiner ist als Jinotega. Hier werden Holz, Essen oder Milchkannen noch auf dem Pferd transportiert und nur wenige Touristen legen einen Stopp ein.

Unsere Unterkunft in San Rafael

Die Auswahl in dem kleinen Ort ist doch sehr begrenzt und umso verwunderter waren wir dann als wir die Größe der Casita San Payo* sahen. Hier kommen jede Menge Leute unter! Nicht, dass wir vielen Touristen begegnet wären, aber Platz ist genug da 😉 Wir hatten ein Doppelzimmer mit eigenem Bad, das groß war aber leider auch sehr feucht und dadurch etwas modrig roch. Für knapp 16€ dennoch in Ordnung.

Canopy Tour La Brellera

Nachdem wir in Indien total begeistert waren von der Zipline über Jodhpur, wollten wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, auch durch die Wälder Nicaraguas zu fliegen. Nur 5 Kilometer außerhalb von San Rafael gibt es sieben verschiedene Ziplines, die man für 20 US$ pro Person abfliegen kann. Wir haben für den Hinweg einen Bus Richtung Yali genommen und wurden direkt vor dem Eingang der Canopy Tour rausgelassen.

Bradington und Gabriel – unsere beiden jungen Guides – begrüßten uns freundlich, erklärten uns den Aufbau der Canopy Tour und legten dann die Sicherheitsgurte an. Nach kurzer Einführung am Stahlseil ging es dann hoch hinaus. Waren wir von den ersten beiden kurzen Flügen noch wenig beeindruckt, so kamen doch noch sehr aufregende Flüge auf uns zu.

Nicaragua Norden San Rafael Zipline

Die zweitlängste und höchste Zipline (50 Meter) sorgte für ordentlich Adrenalin. Aber unsere Guides hatten noch mehr in petto: Die längste Zipline konnten wir als Superman fliegen. Wir wurden an den Guides festgeschnallt und flogen in Bauchlage die 320 Meter lange Bahn entlang. Und es wurde noch verrückter: die letzte sollten wir dann kopfüber fliegen! Das muss nicht nur echt seltsam ausgesehen haben, es fühlte sich auch irre an! Wir waren total begeistert von der Tour und unseren Guides und genossen noch ein lokales Essen im Restaurant auf dem Gelände. Um dieses schöne Erlebnis abzurunden, sahen wir sogar noch einen Kolibri vor uns herumflattern.

Spaziergang durch die grünen Berge

Den Rückweg von der Canopy Tour wollten wir dieses Mal zu Fuß zurücklegen, denn es würde die meiste Zeit bergab gehen. Nachdem wir der Straße Richtung San Rafael einen Kilometer gefolgt waren, führte auf der rechten Seite ein Weg in die Felder hinein. Diesem folgten wir nun und liefen an einfachen Holzhütten vorbei, durch Kuh- und Pferdeherden und wurden immer freundlich von den vorbeireitenden Einheimischen gegrüßt.

Nicaragua Norden San Rafael Weg durch Felder

Matthias war völlig fasziniert von den riesigen Bäumen, die unseren Weg in den unterschiedlichsten Formationen säumten. Und wieder einmal stellten wir fest: die schönsten Erlebnisse kosten oft gar nicht viel! Auf diesem Spaziergang fühlten wir uns so nah am Leben in den Bergen, dass er einen tiefen Eindruck hinterließ.

Nicaragua Norden San Rafael Wanderung

Estelí

Nachdem wir zuvor ziemlich schnell gereist waren, legten wir hier in Estelí mal wieder einen Tag Pause ein, an dem wir im klimatisierten Café leckere Limonade schlürften, für die Reise recherchierten und die Erlebnisse auf dem Blog und im Video zusammenfassten.

Unsere Unterkunft in Estelí

Das Hostal Tomabu liegt ca. einen Kilometer außerhalb des Zentralparks und bietet Doppelzimmer mit eigenem Bad für 20 US$ an. Die Zimmer waren sauber und die Eigentümerin super nett und hilfreich. Der Ventilator im Zimmer war allerdings so laut, dass uns nicht klar ist, wie wir dabei einschlafen konnten! Beim nächsten Mal würden wir vermutlich etwas näher am Zentrum wohnen. Dafür war es zum Busbahnhof nicht weit.

Tour durch den Somoto Canyon

Der Hauptgrund für unseren Aufenthalt in Estelí war die Nähe zum Somoto Canyon. Über Tree Huggers buchten wir eine Tour durch den Canyon mit Guide und Lunch sowie Ausrüstung (Schuhe, Schwimmwesten, Dry Bag) für 25 US$ pro Person. Die Fahrt nach Somoto legten wir im Chickenbus zurück. Der Hinweg im regulären Bus dauerte über 2 Stunden und der Bus war sehr voll. Der Rückweg im Expreso dauert nur 1,5 Stunden und war so angenehm, dass wir sogar einschliefen 😉

Angekommen in Somoto wurden wir (und einige weitere Touristen) durch Henry begrüßt, der uns zu seinem Haus am Canyon fuhr. Dort bekamen wir Schuhe und Schwimmwesten und konnten unsere restlichen Sachen unterstellen. Kurz darauf setzte sich unsere Gruppe in Bewegung und wir legten die ersten 30 bis 40 Minuten Weg auf Feldern zurück bis wir schließlich zum Canyon gelangten. Kurz vorher hatte unser Guide uns Honduras gezeigt – der Canyon liegt nur wenige Kilometer südlich der Grenze und wir haben nun also auch dieses mittelamerikanische Land besichtigt 😉

Im Canyon fing der Spaß dann so richtig an. Wir liefen durch das Wasser, schwammen Teilstrecken und sprangen immer wieder von Felsen ins Wasser hinein. Franzi ließ die hohen Sprünge dieses Mal aus und ihre Ohren verkrafteten die kleinen (von 1-2 Metern) problemlos. Matthias stürzte sich auch von den höchsten Punkten in die Tiefe und riss leider beim Sprung von acht Metern auch die Go Pro mit sich und tauchte nur noch mit der Halterung in der Hand wieder auf. Daher können wir dir hier leider keine Beweisbilder (und auch kein Video vom Canyon) zeigen.

Die Stimmung war nach dem Verlust natürlich erst einmal getrübt. Dennoch hatten wir viel Spaß bei der Wanderung durch den Canyon und fanden den Preis für das 4-stündige Erlebnis angemessen. Zurück am Ausgangspunkt gab es ein schmackhaftes Essen für uns, bevor wir wieder Richtung Estelí aufbrachen.

Ereignisreiche Tage im Norden

Mit dem Ausflug in den Canyon endeten unsere Tage im Norden, die gefüllt waren mit Wanderungen und Ausflügen in die schöne Natur. Wir sind (für unsere Verhältnisse) schnell gereist, fanden aber 10 Tage zur Erkundung ausreichend. Anders als erhofft, kletterten auch im Norden die Temperaturen immer wieder über die 30°C-Grenze, sodass wir uns freuten, im Anschluss wieder nah beim Meer zu sein. Aber dazu Meer im nächsten Beitrag!

Und du?

Bist du auch so gerne in der Natur wie wir? Oder bist du eher der Stadt-Typ? Wir freuen uns, wenn du uns einen Kommentar hinterlässt!

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