Lumbini – die Geburtsstätte Buddhas

Mit dem Abbruch unserer Himalaya-Wanderung hatten wir auf einmal eine Woche mehr Zeit als geplant. Und nun? Ein viel gereister Engländer hatte uns auf einer Busfahrt Lumbini ans Herz gelegt. Der winzige Ort liegt 200 Kilometer südlich von Pokhara und befindet sich im Terai. So nennt sich die Region an der Grenze zu Indien. Sie ist die grüne Oase des Landes, die inzwischen für mehr als 50% des Bruttoinlandsproduktes sorgt und die Hälfte der nepalesischen Bevölkerung beherbergt. Also haben wir uns Ende Oktober in den Bus gesetzt, sind sieben Stunden lang Serpentinen durch die nepalesische Berglandschaft gefahren um schließlich an einem der wichtigsten Pilgerorte der Buddhisten anzukommen: Lumbini.

Für uns wurde der Wechsel der Klimazonen spürbar durch die feuchtwarme Luft und noch mal höhere Temperaturen. Tagsüber kletterte das Thermometer über die 30°C und wir suchten uns mittags ein schattiges Plätzchen. Abends haben wir ganz viele neue Freunde gefunden: Mücken! Sie haben sich auf uns gestürzt und unser europäisches Blut gesaugt, als ob es da sonst keine Touristen gäbe. Die erste Nacht im Hotel hat Matthias größtenteils mit dem Jagen und Erschlagen der Viecher verbracht 🙂

Maya Devi Tempel

In unserem schlaftrunkenen und zerstochenen Zustand machten wir uns am zweiten Tag in Lumbini auf den Weg zum Maya Devi Tempel. Maya Devi ist die Mutter Buddhas und in dem Tempel soll die Geburtsstelle zu sehen sein. Nach erfolgreichem Ticketkauf durften wir auch schon die Schuhe ausziehen und uns den Tempel ansehen. Das Gebäude selbst ist herrlich unspektakulär und hat wenig mit einem Tempel gemeinsam (so wie wir uns das vorstellen). Im Inneren finden sich jedoch die Mauerreste des damaligen Tempels inklusive des Geburtsmarkers (ein Stein). Unterhalb der Statue vom Buddha und seiner Mutter klebten chinesische Touristen Blattgold an die Wand. Ein netter Sicherheitsmensch erklärte uns, dass das eine Art Wertschätzung Buddhas ist. Sah auf jeden Fall schön aus! Um diesen Tempel herum stehen weitere Mauerreste von Stupas und Tempeln aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Damit sind es auch die ältesten Gebäude in ganz Nepal. Buddha selbst soll 629 v.C. geboren worden sein und hat seine Geburtsstätte später als wichtigen Pilgerort für die Buddhisten ausgegeben.

Nepal Lumbini Maya Devi Tempel

Der Sacred Garden umschließt den Maya Devi Tempel und hier sahen wir Mönche und eine buddhistische Touristengruppe meditieren. Der gleichförmige Gesang zog uns in den Bann und wir schauten ihnen eine ganze Weile dabei zu.

Die Tempelanlage in Lumbini

Lumbini besteht nicht nur aus dem Maya Devi Tempel und dem Sacred Garden drumherum. Die Anlage ist tatsächlich sehr groß und weitläufig. 1896 ist der Ort von Archäologen wiederentdeckt worden und ist für Buddhisten von großer Bedeutung. Geplant ist es, dass viele Nationen auf dem großen Gelände buddhistische Tempel errichten und so den buddhistischen Glauben ihres Landes dort repräsentieren. Damit soll der Ort zum Pilgerort für Buddhisten weltweit werden. Soweit der Plan. Jetzt sind wir in Nepal immer noch in einem der ärmsten Länder der Erde. Und das heißt eben auch, dass alles etwas länger dauert. Es stehen bereits einige Tempel, viele sind noch im Bau und noch mehr existieren noch gar nicht.

Der Tempel von Kambodscha beeindruckte uns von weitem sehr, als wir davor standen, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Hier scheint man Gebäude von oben nach unten zu bauen, gestützt durch Bambusgerüste. Dass das überhaupt hält! Da die gesamte Anlage schon eine ganze Weile besteht, wuchern die vorhandenen Wege oder Hinweisschilder leider auch schon wieder zu und man findet viel Müll entlang der Wege. Das ist echt schade und gibt insgesamt ein eher skurriles Bild ab. Die fehlende Pflege und Instandhaltung der Anlage wirkt wenig wertschätzend und passt zumindest für unsere westlichen Augen nicht zu einem spirituellen, heiligen Ort.

Nepal Lumbini Tempel Kambodscha Baugerüst

Wir hatten gehofft, vor Ort noch mehr über den Buddhismus zu erfahren – sei es durch einen Guide, den man bezahlt oder Hinweisschilder. Immerhin ist die ganze Anlage bereits 1997 zum Weltkulturerbe erklärt worden. Die Einzigen, die sich uns aber immer wieder aufdrängten, waren Rikscha-Fahrer, die uns durch den Park kutschieren wollten. Wir fanden es schade, dass vor Ort keine Informationen zum Buddhismus gegeben werden. So als Nicht-Buddhisten hätte uns das schon auch interessiert! Das Tourist Information Center haben wir erst auf dem Rückweg entdeckt, vielleicht hätten wir da mehr Informationen bekommen…

Nepal Lumbini ewige Flamme Peace Stupa

Fahrradtour durch die Tempel von Lumbini

Die beste Art, um die ziemlich weitläufige Anlage zu erkunden, ist unserer Meinung nach auf dem Fahrrad. In dem Örtchen neben der Anlage kann man knallpinke Modelle schon für 250NPR am Tag (knapp 2€) mieten. Die haben zwar keine Gangschaltung und quietschen ordentlich, aber egal! Endlich mal wieder Fahrrad fahren. Außerdem sieht man einfach viel mehr!

Nepal Lumbini Fahrrad fahren

Witzige Anekdote am Rande: Während wir um den (unserer Meinung nach) schönsten Tempel liefen und die tolle Gartenanlage drum herum bestaunten, waren wir uns sicher: das muss der japanische Tempel sein! Die haben doch so akkurate und super gepflegte Parkanlagen und es fiel extrem auf, wie schön und sauber diese Anlage war. Dazu die verspielten Malereien im Tempel, klare Sache: Japan. Es steht leider oft nicht außen dran, zu welchem Land der Tempel gehört und unser Plan aus dem Reiseführer schien etwas veraltet. Auf einem Übersichtsplan etwas weiter im Park stellten wir dann verblüfft fest: dieser tolle Tempel mit der superschönen Gartenanlage drum herum ist der deutsche! Was?! Also gut, mit Ordnung und Sauberkeit haben wir es ja bekanntlich. Aber mit Tempeln?!

Nepal Lumbini Yogapose

Fazit Lumbini

Lohnt es sich nun für Nicht-Buddhisten, die Geburtsstätte Buddhas aufzusuchen? Wir haben von der Religiösität und Spiritualität dieses Ortes leider weniger mitbekommen als erhofft. Am beeindruckendsten war eine Gebetsstunde vor einer großen Buddhastatue im chinesischen Tempel, die wir von außen betrachten konnten. Es gibt Meditationszentren innerhalb der Anlage und auch an Ritualen kann man teilnehmen, muss das allerdings vorher organisieren. Wir hätten uns gewünscht, dass es Guides oder Hinweistafeln gibt, die über Hintergrund und Geschichte informieren können.

Die verschiedenen Tempel der Länder haben wir uns gerne angesehen. Unsere Favoriten waren der deutsche, chinesische und thailändische Tempel. Alle Tempel kann man in der Regel auch von innen besichtigen. Schade ist, dass vieles schon wieder zuwächst und der Müll – trotz höchster Mülleimerdichte, die wir bisher in Nepal gesehen haben – sich in den Nebenstraßen sammelt. Wir fanden es trotzdem schön, diesen für die Buddhisten so wichtigen Ort besichtigt zu haben.

Namaste aus Lumbini!

Nepal Lumbini chinesischer Tempel

2 Kommentare zu “Lumbini – die Geburtsstätte Buddhas

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