Arequipa und der Colca Canyon

Noch total geflasht von unserer Wanderung in den Anden über den Salkantay Pass entschlossen wir uns, hier in Peru routentechnisch wieder Harakiri zu veranstalten um möglichst viele Highlights zu sehen. So verschlug es uns wieder weiter in den Süden nach Arequipa, wo wir im Colca Canyon eine weitere Wanderung machen wollten.

Unsere Anreise von Cusco nach Arequipa

Wir entschieden uns für die Luxusvariante um auf unserer 11-stündigen Nachtfahrt so viel Schlaf wie möglich mitzunehmen. Beim Marktführer Cruz del Sur buchten wir VIP-Sitze für 130 Soles pro Person (36€) und wurden nicht enttäuscht. Die bequemen Sitze ließen sich weit nach hinten verstellen und kamen mit einer Decke und Kissen daher. Kurz nach der Abfahrt bekamen wir unser bei der Buchung ausgewähltes Essen und einen heißen Tee geliefert. Das Essen war vergleichbar mit Essen im Flugzeug, für uns aber in Ordnung. Vom Entertainmentprogramm machten wir gar keinen Gebrauch. Wir schlossen die Augen und konnten die Nacht mit kurzen Unterbrechungen gut durchschlafen. Unser Fazit: das war gut investiertes Geld, denn wir erreichten Arequipa am nächsten Morgen ausgeschlafen und voller Tatendrang. Das war auf unserer Nachtfahrt nach La Paz definitiv anders.

Unsere Unterkunft in Arequipa

Über booking.com* hatten wir uns ein Doppelzimmer mit eigenem Bad für nur 22€ im Park Hostel* gesichert. Wir konnten am frühen Morgen unser Gepäck in einem Raum einschließen, da wir noch vor dem Check-In ankamen. Auch während unserer Wanderung durften wir unser Gepäck hier kostenlos parken. Highlight war definitiv das Frühstück auf der sonnigen Dachterrasse mit Blick auf die Stadt und die dahinterliegenden schneebedeckten Berge.

Arequipa Hostel

Sightseeing in Arequipa

Convente Santa Catalina

Dieses Kloster ist wie eine komplette Stadt innerhalb Arequipas. Die Gebäude liegen innerhalb von großen Mauern und können täglich für den stolzen Eintrittspreis von 40 Soles (11€) besucht werden. Wir haben den Rundgang durch den großen Komplex auf eigene Faust gemacht, du kannst für 20 Soles aber auch eine einstündige Führung erhalten, die sogar auf Deutsch angeboten wird. Für uns waren die Informationen auf den Tafeln, die in jedem Raum hingen, auch ausreichend.

Arequipa Convente Santa Catalina

Das 1579 gegründete Kloster wurde mehrfach von Erdbeben beschädigt und immer wieder aufgebaut. Früher lebten hier bis zu 150 Nonnen in ziemlich großzügigen Räumen. Getrennt von der Anlage der Nonnen ist der Teil für die Novizinnen, die in deutlich kleineren und spärlicheren Zimmern wohnten. Hier mussten die Frauen für ein Jahr leben bevor sie endgültig in den Orden aufgenommen wurden. Die Klosterschwestern waren für ihre tollen Backwaren bekannt und in jedem Zimmer war tatsächlich ein Ofen zu finden. Wir fanden das Kloster mit seinen bunten Innenhöfen, den kleinen Gassen und vielen Pflanzen wunderschön und hatten einen entspannten Vormittag dort.

Kolonialgebäude rund um den Plaza de Armas

Für uns war der Plaza de Armas in Arequipa der schönste in ganz Südamerika! Die tollen geschwungenen Bögen, die riesige Kathedrale, die über eine komplette Seite des Platzes geht und die vielen anderen kolonialen Gebäude im Vulkansteinweiß – wow! Hier wussten wir gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten. Dazu die schneebedeckten Vulkane im Hintergrund und das Bild war perfekt.

Arequipa Plaza de Armas

Unsere Essenstipps für Arequipa

Wir haben in Arequipa teilweise sehr gut gegessen und wollen dir unsere kulinarischen Highlights natürlich nicht verwehren. Einen super guten und dazu nicht zu teuren Burger haben wir im Burger Chulls gegessen. Hier bekommst du den Standardburger bereits für 10 Soles und kannst dann Extras und Saucen nach Belieben hinzufügen. Im Burger Menü für 15 Soles (4€) ist zusätzlich zum Burger ein leckerer Saft, Pommes (die Süßkartoffelvariante war der Knaller!) und eine Sauce nach Wahl dabei. Es war wirklich sehr lecker dort!

Gleich um die Ecke befindet sich die Pasta Canteen, in der es täglich ein Pastagericht des Tages gibt oder auch die Möglichkeit, sich selbst Pasta zusammenzustellen. Dazu bekommst du vorher einen leckeren Salat und frische Mini-Brötchen. Fanden wir für 15 Soles auch einen richtig guten Deal.

Arequipa Pasta Canteen

Unser Bedürfnis nach Süßem haben wir im La Petite Française gestillt. Hier gab es sehr leckere Crêpes in den verschiedensten Varianten. Für uns durfte immer Nutella rein und dann abwechselnd diverse Früchte. Dazu ist es ein sehr gemütliches Café mit schöner Atmosphäre.

Wanderung im Colca Canyon

Auf Empfehlung von anderen Reisenden (danke Susanna & Christoph) buchten wir über Andina Travel die günstigste Tour in Town: für nur 90 Soles (25€) pro Person würden wir zwei Tage durch den Colca Canyon wandern, eine Unterkunft und Essen bekommen. Sonst entscheiden wir uns ja nicht immer für das allergünstigste Angebot, aber da alle Anbieter das Gleiche erzählten, probierten wir es mal aus.

Unser erster Tag begann bereits um 3 Uhr in der Nacht, als wir uns aus den Betten und in den Minivan quälten, der uns nun drei Stunden nördlich in Richtung Canyon fahren würde. Wir schlossen die Augen und versuchten, noch etwas Schlaf zu bekommen. Gegen 7 Uhr erreichten wir Chivay auf 3300 Metern und hier war es empfindlich kalt. Mit klappernden Zähnen aßen wir unser sehr einfaches Frühstück, das aus Brötchen, Butter, Marmelade und Tee bestand. Gut, dass wir vorsorglich schon Snacks eingepackt hatten!

Cruz del Condor

Nächster Stopp war dann das Cruz del Condor. Hier sollen vor allem in den Morgenstunden die Riesenvögel aufsteigen und gut zu sehen sein. Aus dem Auto heraus sahen wir einen Condor über uns kreisen. Als wir schließlich selbst umherwanderten, konnten wir nur in den Tiefen des Canyons einige Vögel sehen. Wahrscheinlich war ihnen der Touristenauflauf oben zu stark, das hätten wir auf jeden Fall verstehen können!

Colca Canyon Blick ins Tal

Der erste Wandertag

Schließlich wurden wir am Startpunkt der Wanderung aus dem Auto geworfen und kurze Zeit später traf unser Guide Christian ein. Zu zwölft hängten wir uns an seine Fersen und liefen durch die wirklich tolle Natur am Rand des Canyons. 1000 Höhenmeter mussten wir am Vormittag absteigen und der Weg erinnerte uns ein wenig an den Salkantay Trail: viel Geröll und Staub. Bis zum Mittagessen folgte noch ein kurzer Anstieg mitten durch den Dschungel und dann hatten wir uns eine Stärkung redlich verdient.

Colca Canyon Kaktus

Nach dem (für Matthias eher spärlichen) Mittagessen ging es dann immer weiter fleißig auf und ab. In gemütlichem Tempo durchquerten wir Kakteenfelder und konnten nun die Landschaft von der anderen Seite des Flusses sehen. Wir genossen die Wanderung sehr und freuten uns über die angenehmen Temperaturen. Endlich mal wieder kurze Sachen tragen 🙂

Nach weiteren drei Stunden erreichten wir unser Endziel in der Oase im Canyon. Wie versprochen, bekamen wir ein Doppelzimmer und die Anlage hatte sogar einen Pool. Als erste konnte Franzi unter die warme Dusche springen um Schweiß und Staub abzuspülen. Danach bildete sich schnell einen lange Schlange, da es für über 20 verschwitzte Wanderer nur eine Dusche gab.

Colca Canyon Fluss

Die Zeit bis zum Abendessen zog sich schließlich hin wie Kaugummi. Wir mussten drei Stunden überbrücken, in denen es immer kälter wurde, der Hunger immer größer und das Bedürfnis nach einem warmen Bett ebenso. Dass sich das Warten auf unser Essen gelohnt hätte, können wir leider nicht sagen. So halb gesättigt gingen wir gegen 21 Uhr in unser Bett, denn am nächsten Morgen sollten wir bereits 4.30 Uhr den Aufstieg aus dem Canyon beginnen.

Der zweite Wandertag

Nach einer ganz guten Nacht machten wir uns (ohne Frühstück) noch im Stockdunklen an den Aufstieg. Über 1000 Höhenmeter mussten wir überwinden, um wieder aus dem Canyon herauszukommen. Die ersten Meter fielen noch sehr schwer, aber eine Banane und einige Höhenmeter später waren wir warm geworden und konnten so Meter um Meter aufsteigen. Während wir im Mittelteil noch euphorisch über unsere glänzende Wanderform sprachen, ließen die steilen Schlussabschnitte jede Euphorie weichen. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es und längere Pausen waren nicht mehr möglich.

Colca Canyon Weg

Nach guten 2,5 Stunden erreichten wir den Rand des Canyons und konnten uns in den ersten Sonnenstrahlen aufwärmen. Von einer Einheimischen kauften wir völlig überteuerte Avocadobrötchen, für die wir in dem Moment aber auch noch mehr bezahlt hätten, so dankbar waren wir für Energie!

Nach einer kurzen Pause, in der wir darauf warteten, dass die komplette Gruppe ankam, gingen wir 20 Minuten bis in den Ort Cabanaconde, in dem wir schließlich unser Frühstück bekamen. Da wir aus der Erfahrung am Vortag gelernt hatten, kauften wir auf dem Weg im Dort noch eine Avocado, die das trockene Brötchen rettete.

Colca Canyon Bäume und Büsche

Die heißen Quellen von Yanque

Mit dem Bus ging es anschließend weiter zu den heißen, teilweise sehr heißen Quellen von Yanque. Den Eintrittspreis von 15 Soles (4€) pro Person zahlten wir gerne dafür, dass wir unsere müden Beine (und den Rest unserer Körper natürlich auch) in die natürlichen Quellen stecken durften. Das war dann so entspannt, dass wir keine Fotos gemacht haben. Du musst uns einfach glauben, dass man in den Quellen sitzend auf einen Fluss und die Berge dahinter schauen konnte!

Das Mittagessen am zweiten Tag war in der Tour nicht enthalten und hätte 30 Soles (8€) pro Person gekostet. Wir gingen stattdessen lieber zum lokalen Markt und aßen dort – genau wie die Einheimischen – einen leckeren Hähnchenschenkel mit Kartoffeln und Salat, gekocht am Boden. Kostete nur ein Drittel und war das beste Essen auf der gesamten Tour!

Auf der Rückfahrt nach Arequipa hielten wir am höchsten Punkt unserer bisherigen Reise (auf 4900 Metern) mit Ausblick auf Vulkane und später bekamen wir noch einmal eine große Alpakaherde zu sehen. Als wir schließlich am Abend wieder in Arequipa ankamen, waren wir ziemlich erschöpft von den beiden langen Tagen. Die Wanderung war aber wirklich sehr schön und wir waren glücklich, auch diesen Teil der Natur Perus noch sehen zu können.

Colca Canyon Alpaka Herde

Unsere Tipps für deine Tour in den Colca Canyon

  • Nimm dir ausreichend Wasser für einige Stunden mit. Zwischendurch kannst du Wasser kaufen, das ist aber natürlich teurer als in Arequipa.
  • Nimm dir einige Snacks mit. Die Abstände zwischen den Mahlzeiten sind zum Teil sehr lang. Wenn du am zweiten Tag über 1000 Höhenmeter gehst, bekommst du erst danach dein Frühstück. Wir wären ohne Banane und Müsliriegel nicht hochgekommen.
  • Pack deine Stirnlampe oder Taschenlampe ein. Am zweiten Morgen ist es stockdunkel wenn du den Berg hochläufst und der Weg ist übersät mit Geröll und größeren Steinen. Im Zweifel tut es auch das Licht deines Handys.
  • Klamottentechnisch empfehlen wir: entweder lange Wanderhose mit Zip-Beinen oder kurze Hose und Leggings, 2 T-Shirts, 1 extra Unterhose, 1 extra Paar Socken, 1 Longsleeve, 1 Fleecejacke, 1 Bikini/ Badehose. Morgens ist es in der Höhe empfindlich kühl (um die 0°) und im Canyon ist es tagsüber sehr warm (deutlich über 20°), sodass du für beides gut gewappnet sein solltest.
  • Trage ordentlich und regelmäßig Sonnencreme auf und vergiss deine Sonnenbrille nicht.
  • Zusätzlich zum Preis für die Tour musst du den Eintritt in den Colca Canyon bezahlen, der 70 Soles (19€) pro Person beträgt.
  • Du kannst diese Wanderung auch ohne Tour machen. Dann würdest du von Cabanaconde aus starten und dort auch wieder ankommen. Busse von Arequipa nach Cabanaconde benötigen ca. 6 Stunden Fahrzeit, sodass du hier vermutlich min. einen Extratag einplanen musst. Kostentechnisch scheint eine Tour kaum teurer, dafür hast du mehr Entscheidungsmöglichkeiten wenn du alleine gehst. Der Weg war gut zu finden.

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