Annapurna Circuit – Wanderung im Himalaya (Teil I)

Wir waren im höchsten Gebirge der Welt wandern! Kannst du dir das vorstellen?! Für uns ist es so kurz danach noch immer schwer zu fassen, was wir da erlebt und gesehen haben. Diese Bilder, die uns jeden Tag aufs Neue verzaubert haben. Die Landschaft, die sich immer stärker verändert hat und dadurch nie langweilig wurde. Die schneebedeckten Berge, denen wir ganz langsam immer näher kamen bis sie auf einmal zum Greifen nah zu sein schienen. Diese Erfahrungen sind schwer in Worte zu fassen. Die Weite der Landschaft kann man nicht mit Pixeln darstellen. Diese unheimliche Naturgewalt mir ihrer Farbenpracht und Weite muss man selbst erlebt haben! Vielleicht gelingt es uns, es zumindest ansatzweise festzuhalten.

Erstes Abenteuer – die Busfahrt nach Besisahar

Noch bevor es mit der Wanderung überhaupt so richtig los ging, stand schon das erste Abenteuer an: die Busfahrt nach Besisahar, dem Ausgangspunkt des Annapurna Circuits. Der Bus sollte 7 Uhr abfahren und ab 6.30 Uhr trafen immer mehr Wanderer auf dem kleinen Busbahnhof in Pokhara ein. Und dann noch mehr.. und noch mehr! So viele, dass Matthias irgendwann meinte, wir sollten lieber schon mal in den Bus gehen. Und das war eine gute Entscheidung! Der Bus war nämlich hoffnungslos überbucht und es gab nicht annähernd so viele Sitzplätze wie Tickets verkauft worden waren. Kein Problem für die Nepalesen. Da wurden dann eben 10 Hocker in den Bus reingestellt und die Leute konnten sich in den Mittelgang setzen. Es machte nicht den Eindruck, als ob das zum ersten Mal passiert war. Und trotz voll belegten Mittelgangs hielt der Busfahrer noch zwei Mal und lud Einheimische ein, die die Fahrt dann stehend verbrachten. Wir waren nur froh, dass wir Sitzplätze hatten.

Nepal Annapurna Circuit Besisahar

Los gehts! 1. Tag: Besisahar-Ngadi (12km)

Auf der Busfahrt hatten wir schon nette Bekanntschaften gemacht und als wir nach vier Stunden in Besisahar ankamen, suchten wir nicht alleine, sondern in Begleitung von Anne & Christian aus Marburg, Michael & Deana aus Boston sowie Enno aus Tübingen den richtigen Weg. Hoch motiviert kletterten wir zum Fluss hinunter und überquerten diesen – das sollten wir in den kommenden Tagen noch so einige Male machen. Unsere erste Etappe sollte ungefähr 12 Kilometer lang sein und uns in das kleine Örtchen Ngadi führen. Die Jeep-Piste konnten wir schon nach kurzer Zeit verlassen und nach der ersten Flussüberquerung auf einer Hängebrücke liefen wir durch Reisfelder hindurch. Es war alles wunderschön grün und eine Pracht fürs Auge. In dieser subtropischen Klimazone hat uns nicht nur der Weg sondern auch die Temperaturen gut zum Schwitzen gebracht! Als wir am Nachmittag unser Ziel erreichten und unsere Rucksäcke in den Wellblechhütten abstellten, ging es deswegen erst mal ab in die Dusche. Und auch wenn die vom Komfort her nicht annähernd an unser schönes Badezimmer in Hamburg heranreichte, in dem Moment fühlte sie sich himmlisch an! Den Abend verbrachten wir mit unseren neuen Weltreisefreunden und krochen schon früh in unsere Betten.

Nepal Annapurna Circuit Ngadi Duschen

2. Tag: Nadi-Jagat (18km)

Am zweiten Tag sollte unsere Route von Ngadi nach Jagat führen. Nachdem wir Porridge zum Frühstück als gut befunden hatten, wurde das der Klassiker für den Morgen. Mit ausreichend Power starteten wir in den Anstieg nach Bahundandi. Stetig ging es bergauf, mal steiler, mal flacher. Dabei wurden wir ständig mit der Aussicht über die unendlichen Reisterrassen belohnt. Und während wir uns so Meter für Meter höher kämpften, konnten wir gleichzeitig die Nepalesen in ihrem Alltag beobachten. Bei der Ernte auf dem Feld, beim Tragen von Holz oder die traktorfahrenden Jungs, die uns fröhlich angrinsten. Nach dem lang ersehnten Mittagessen in Germu konnte es mit frischen Kräften auf die zweite Hälfte der Wanderung gehen. Dabei mussten wir mehr über die Jeep-Piste laufen, die uneben und voller Geröll war. Das war schon zum Laufen nicht schön, wie sollte das befahren werden? Aber die ein bis zwei Jeeps, die uns entgegenkamen, hatten super gut gelaunte Nepalesen an Bord, die uns abklatschten.

Nepal Annapurna Circuit Reisfeld

Nach sieben Stunden beendeten wir unseren zweiten Wandertag in Jagat. Christian hatte für uns einen super Preis für Übernachtung und Essen ausgehandelt und in unserer zweiten Unterkunft waren die Matratzen sogar 5cm dick, Luxus pur! Abends gab es für uns Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht. Es schmeckte hervorragend und das Schöne beim Dal Bhat ist, dass es Nachschlag gibt. Damit perfekt für uns hungrige Wanderer! 🙂

Nepal Annapurna Circuit Ngadi Lodge

3. Tag: Jagat-Bagarchhap (24km)

Nach einer deutlich besseren Nacht (dank Luxusmatratze) stand am dritten Tag die längste Wanderetappe an: 22 Kilometer und 1000 Höhenmeter sollten überwunden werden. Wir hatten davor schon ziemlich Respekt, schließlich merkten wir nach den ersten beiden Wandertagen die Druckstellen unserer Rucksäcke ganz ordentlich. Aber wir haben uns immer gesagt: wir nehmen jeden Tag, wie er kommt und schauen dann weiter. Und so liefen wir einfach erst mal los und wussten ja: wenn es gar nicht mehr weitergeht, dann machen wir eben schon etwas früher unseren nächsten Halt.

Vorbei an tollen Wasserfällen ging es heute erst einmal durch einen kleinen Weg am Fluss bergauf. Der Weg erforderte unsere ganze Aufmerksamkeit, um nicht aus Versehen im tieferen Wasser zu stehen oder bei den vielen Steinen umzuknicken. Schritt für Schritt bewältigten wir so wieder viele Höhenmeter und hatten zu unserer Mittagspause in Tal schon die Hälfte der Strecke geschafft. Während der Mittagspause wurden wieder fleißig die Karten studiert. Unser Wanderführer* mit einem detaillierten Höhenprofil für jede Etappe half, uns mental schon mal auf die nächsten Anstiege vorzubereiten.

Nepal Annapurna Circuit Jagat

Dabei ging es nach der Mittagspause erst mal ziemlich flach am Fluss entlang. In diesem Abschnitt fielen auch die einzigen Regentropfen unserer gesamten Wanderung. Und es waren nicht mal so viele, dass wir unsere Regenjacke übergezogen haben. Von der Jahreszeit her können wir den Oktober für den Annapurna Circuit nur empfehlen! Nach einer kurzen Teepause schafften wir auch noch die restlichen Kilometer und kamen schließlich nach acht Stunden ganz schön erledigt in Bagarchhap an.

Wieder konnten wir hier kostenlos übernachten, weil wir in unserer Lodge aßen. Wir machten die Bekanntschaft von Sabrina und Thomas, die wir später auf dem Weg auch immer wieder trafen. So ging es uns mit einigen Wanderern, die ähnliche Etappen liefen. Ein Schweizer Ehepaar, das vor 35 Jahren (!) das erste Mal diese Wanderung gemacht hat, haben wir auch kennengelernt und immer wiedergesehen. Wir waren sehr beeindruckt davon, dass sie mit ihren 69 und 72 Jahren noch einmal diese Wanderung antreten. Durch sie haben wir auch einen Eindruck davon bekommen, wie es früher gewesen sein muss. Vor dem Tourismus, vor der Jeep-Piste und den Wandergruppen. Als sie bei den Bewohnern der kleinen Dörfer übernachteten und mit ihnen gemeinsam Dal Bhat am Feuer aßen. Es war faszinierend, sich das vorzustellen und den Schilderungen zu lauschen.

4. Tag: Bagarchhap-Chame (15km)

Nach dem Schrecken einer großen Spinne in unserem Zimmer am Abend zuvor hatten wir doch noch gut schlafen können und starteten ausgeruht in unseren vierten Wandertag. (Die Spinne wurde von der Gastgeberin beseitigt, wir waren beide zu feige dafür, was ein Monster!). Heute führte uns der Weg hinaus aus dem Dorf und hinein in den Wald. Serpentine für Serpentine ging es hinauf und der Untergrund wurde immer feuchter und morastiger. Irgendwann hieß das Spiel: Bleib nicht im Matsch stecken. Wir haben es geliebt! Das Laufen auf so unterschiedlichen Untergründen machte jeden Tag wieder spannend, selten liefen wir einfach nur einen ebenen Weg geradeaus. Die Mittagspause legten wir heute schon früh ein, um den Ausblick von Timang auf den Manaslu (8136m) ausreichend zu genießen. Auf der Dachterrasse eines der vielen Restaurants mussten wir uns warm einpacken, da es inzwischen doch kühl wurde so ohne Bewegung. Also Fleecejacke drüber, Buff über die Ohren und warmen Tee die Kehle runter. Dazu das erste Mal einen Ausblick auf einen 8000er – könnte fast nicht schöner sein 😉

Nepal Annapurna Circuit Timing

Nach der Mittagspause verabschiedeten sich Annes Wanderschuhe dann endgültig von ihr. Schon am ersten Tag hatte sich die Sohle leicht abgelöst und auf dem Weg zur nächsten Hängebrücke fielen sie nun echt auseinander. Merke: Gut eingelaufene Wanderschuhe sind wichtig für die Wanderung, vielleicht sollten sie aber nicht schon 11 Jahre eingelaufen worden sein 😉 Glücklicherweise konnte Sabrina mit Schuhen in der richtigen Größe aushelfen und Anne kam über Hängebrücke, Anstieg und Steinstraße noch bis Chame. Dort hatten wir gemütliche Zimmer und konnten eine warme Dusche genießen – wenn man den Trick mit dem Gaserhitzer verstanden hatte. Während Anne und Christian neue Wanderschuhe kauften, kuschelten wir uns mit einer Kanne Tee in ein Doppelbett (sonst hatte es immer nur Einzelbetten gegeben) und hatten eine schöne Tea Time mit Deana.

Kartentricks bei Kerzenschein

Auf 2670 Metern wurde es jetzt nachmittags doch empfindlich kalt und wir freuten uns, dass es in unserer Lodge einen Ofen gab. Leider war der nicht gut anzukriegen, sodass wir bibbernd unser Dal Bhat essen mussten. Dann fiel auch noch der Strom im ganzen Dorf aus und wir aßen im Dunkeln und im Kalten. Hätte eine Tschechin nicht ihre Stirnlampe dabei gehabt, hätten wir nicht mal zur Toilette gefunden 😀 Irgendwann war es dann wieder hell und der Ofen wurde warm, sodass wir die neu besorgten Karten einweihen konnten. Deana brachte uns die amerikanische Variante von „Arschloch“ bei und Matthias sorgte für Staunen und offene Münder mit seinen Kartentricks. Das schafft er immer wieder. Das letzte Mal hat er auf einem Segelschiff auf dem Meer vor Australien für Bewunderung und Unglaube gesorgt. Und glaub mal nicht, dass er mir inzwischen den Trick verraten hätte! Ich sitze genauso verdattert davor wie die anderen, die den Trick zum ersten Mal sehen.

5. Tag: Chame-Lower Pisang (18km)

Ob es an dem Doppelbett lag oder am Grübeln über Matthias‘ Kartentricks – die letzte Nacht war eher unruhig und so mussten wir die heutige Etappe unausgeschlafener angehen. Christian gelang es aber schnell, wieder Leben in uns zu bekommen. An einem Stand in Chame erstand er Cronuts für alle! Cronuts sind eine Mischung aus Croissant und Donut. Und nein, so nennen die Nepalesen das natürlich nicht! Aber unsere Amis. Und deswegen haben wir diesen witzigen Namen übernommen. Hauptsächlich waren die Dinger fettig, und damit kennen sich Amerikaner schließlich aus 😉

Nepal Annapurna Circuit Pisang Tal

Unser Weg führte heute wieder durch Wälder und der Untergrund war weich und erdig (ist das ein Wort?). Auf jeden Fall sehr angenehm zu laufen! Wir kamen an riesigen Apfelplantagen vorbei, die mit Zäunen geschützt waren und Warnschilder hatten, die mit Bußgeld bei Betreten der Plantagen drohten. Das wirkte völlig fehl am Platz. Sowas hatten wir bisher noch gar nicht gesehen und fragten uns unvermittelt, ob die Besitzer wohl Ausländer sind. Nach einer Pause am Wegesrand mit Blick auf Annapurna II (7937m) und eine vorbeiziehende Muliherde liefen wir die letzten Kilometer durch ein Tal, das immer breiter wurde und kamen schließlich schon am frühen Nachmittag in Lower Pisang an. Das erste Mal befanden wir uns heute über 3000 Meter (auf 3200, um genau zu sein)!

Wir kletterten noch etwas höher nach Upper Pisang und hatten einen unschlagbaren Blick auf die umliegenden Berge. Die Sicht wurde von Tag zu Tag immer genialer! Matthias und Anne gönnten sich eine Knoblauchnudelsuppe, weil Knoblauch gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Und ehrlich, so viel Knoblauch wie da drin war, das hält vermutlich jede Krankheit ab! Auch ein Guide einer anderen Wandergruppe bestärkte uns noch mal, ordentlich Knoblauch zu essen, sodass wir zum Abendessen zusätzlich ein Naan mit Knoblauch aßen. Ich will nicht wissen, wie wir gerochen haben. Dem Geschmack nach, den wir noch am nächsten Morgen im Mund hatten, muss es echt hart gewesen sein!

Nepal Annapurna Circuit Pisang Fluss

Fazit nach den ersten 5 Tagen auf dem Annapurna Circuit

Insgesamt haben wir die ersten fünf Tage unserer Wanderung deutlich besser bewältigt als wir es vorher gedacht hatten. Wir hatten schon ordentlichen Respekt vor dem Tragen unserer Rucksäcke. Jeden Tag sind wir zwischen 13 und 23 Kilometern gewandert und haben dabei ja auch immer ordentlich an Höhe gewonnen. Aber wir sind gut zurechtgekommen. Unsere Füße sind nach fünf Tagen noch ohne Druckstellen und Blasen, sodass wir unbeschwert loswandern können. Franzis Zeh macht keine Probleme, und das, obwohl Matthias am zweiten Tag noch mal ordentlich draufgetreten ist! Der Zeh war dann zwar wieder etwas blauer, aber hat nur an dem Abend mehr weh getan.

Also bisher alles tutti! Wie es weiterging mit der Wanderung, wie wir mit der Höhe zurechtgekommen sind und was wir noch alles so gesehen haben, beschreiben wir im zweiten Teil! Außerdem können wir dir noch das passende Video zum Beitrag ans Herz legen! Hast du Fragen, gefällt dir, was du gelesen oder gesehen hast? Dann lass uns gerne einen Kommentar da!

5 Kommentare zu “Annapurna Circuit – Wanderung im Himalaya (Teil I)

  1. Danke für den tollen Bericht und vor allem die super Photos! Hat denn schon mal jemand aus eurer Gruppe die Höhenkrankheit gehabt und wie hat die sich dann tatsächlich geäußert?

    1. Immer gerne! 🙂 Um es dem zweiten Beitrag schon etwas vorweg zunehmen: Wir alle hatten irgendwann mal mehr oder weniger Symptome der Höhenkrankheit, das ist bei den Höhen aber auch relativ normal. Am häufigsten treten Kopfschmerzen und Schwindel auf. Etwas ausführlicher beschreiben wir es im zweiten Teil zur Wanderung.

      1. Danke!
        Hab gerade euer Video unter YouTube gesehen: großartig! Vor allem finde ich beeindruckend, dass neben dem Wandern noch so tolle Filme entstehen!! Respekt!!! Weiterhin alles Gute und herzlicher Gruß aus Nordhorn – A & U

  2. Super Artikel! Ich werde nächstes Jahr nach Nepal reisen und lese deshalb gerade mit sehr viel Interesse und Vorfreude eure Berichte. Viel Spaß weiterhin 🙂

    1. Danke schön! Es ist echt ein wundervolles Land und nach 30 Tagen haben wir eigentlich auch noch nicht genug gesehen. Wir würden dir auf jeden Fall auch den weniger touristischen Westen ans Herz legen. Ein Artikel dazu kommt noch 😉 Liebe Grüße

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