Zugfahren in Indien – Tipps und Tricks

Zugfahren in Indien ist eine Sache für sich! Immer wieder liest man, dass es zu einer Indienreise dazugehört und so wollten auch wir uns den Spaß nicht nehmen lassen. Hier findest du die wichtigsten Informationen zum Zugfahren in Indien: welche Zugklassen es gibt und vor allem, wie du die Tickets buchen kannst. Es soll nur ein Überblick sein, einen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es nicht 😉

Allgemeine Informationen zum Zugfahren in Indien

Der Zug ist ein sehr beliebtes Verkehrsmittel der Inder. Das indische Schienennetz ist das drittgrößte der Welt und mit 1,5 Millionen Angestellten der größte Arbeitgeber weltweit. Es gibt über 7000 Bahnhöfe und jährlich werden in indischen Zügen 8,1 Milliarden Menschen transportiert – das sind 22 Millionen am Tag! Du siehst schon, Zugfahren ist in Indien DIE Art der Fortbewegung.

Indien Zugfahren Blick auf Bahnhof

Die verschiedenen indischen Zugklassen

In den indischen Zügen gibt es 8 Zugklassen, hier sollen nur die üblichen genannt werden, die es in fast allen Zügen auch zu buchen gibt. Im Gegensatz zu Deutschland bucht man in Indien im Zug immer einen festen Sitzplatz (bis auf General Admission), muss also keine Sorge haben, keinen mehr abzubekommen. Die Abteile sind zudem gut mit Steckdosen ausgestattet, sodass du während der Fahrt problemlos deine elektronischen Geräte laden kannst.

General Admission (Second Seating)

Oft konnten wir an den Bahnhöfen beobachten, wie die Inder noch vor Halt des Zuges im Bahnhof schon mitsprinteten, um sich einen Platz in den Wagen der Klasse General Admission zu sichern. Das ist die mit Abstand günstigste Variante, in Indien von A nach B zu kommen. In dieser Klasse gibt es keine festen Sitzplätze, keine Klimaanlage und die Waggons sind häufig restlos überfüllt. Wir sind in dieser Klasse nicht mitgefahren, uns reichten die Eindrücke von außen 😉

Sleeper Class (SL)

Indien Zugfahren Sleeper Class

In der Sleeper Class befinden sich drei Betten übereinander, von denen das mittlere tagsüber umgeklappt wird und so nimmt man zu dritt auf dem unteren Bett Platz. Wir wollten uns auch von dieser Zugklasse einen Eindruck verschaffen und sind eine kurze Strecke darin gefahren. Es war nicht so sauber und roch nach Urin, war aber für zwei Stunden Zugfahrt vollkommen okay. In dieser Zugklasse gibt es keine Klimaanlage, dafür Ventilatoren. Für längere Strecken oder Nachtfahrten würden wir die Sleeper Class nicht unbedingt empfehlen. Für kurze Strecken ist das eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen.

3 AC Tier

Indien Zugfahren 3AC

Auch in dieser Zugklasse sind die drei Betten übereinander angebracht (sh. Sleeper Class). Wir sind in der 3. Klasse nur tagsüber gefahren und können daher zum Schlafen nichts berichten. Die Sitzplätze waren ausreichend groß und unser Gepäck konnten wir entweder auf dem obersten Bett ablegen oder unter dem unteren verstauen. Auch in der 3. Klasse gibt es eine Klimaanlage. Die Abteile sind nicht ganz so sauber wie die der 2. Klasse, aber wir fanden es völlig ausreichend. Wir hätten in einem solchen Abteil auch eine Nachtfahrt gemacht (das war auch so geplant, bis wir unseren Zug leider verpasst haben).

2 AC Tier

Indien Zugfahren 2AC

In der 2 A/C Klasse haben wir unsere Nachtfahrt im Zug von Jodhpur nach Delhi verbracht. Es gibt zwei Betten übereinander und eine Klimaanlage zur Belüftung. Abends wird Bettwäsche ausgeteilt: man bekommt Kissen, Laken und Decke gestellt. Mit Hilfe von Vorhängen, die um die Betten gezogen werden können, herrscht einigermaßen Privatsphäre. Die Abteile waren ordentlich und sauber, die Toiletten für Zugklos auch völlig ausreichend. Für Touristen wahrscheinlich das beste Preis-Leistungsverhältnis.

1 AC Tier (First Class)

Die erste Klasse der indischen Züge bietet Abteile mit zwei bis vier Betten und Tür im Zug. So hat man also viel Platz für sich und kann sich vom Rest des Zuges abschotten. Wir haben diese Zugklasse nicht gebucht und können daher keine eigenen Erfahrungen berichten… außer dass die Tickets oft noch mal doppelt so teuer sind wie die der 2. Klasse.

A/C Chair Class

Indien Zugfahren AC Chair Class Abteil

In diesem Abteil gibt es normale Sitze in 2er und 3er Reihen. Die Sitze sind bequem, können nach hinten verstellt werden und bieten genügend Beinfreiheit. Es gibt eine Klimaanlage, die für angenehme Temperaturen sorgt und Gepäckablagen mit ausreichend Platz über den Sitzen. Die A/C Chair Class erinnerte uns an den IC in Deutschland und war sehr gemütlich. Da konnte man während der Fahrt glatt auch mal ein bisschen Schlaf nachholen oder Videos schneiden 😉

Indien Zugfahren AC Chair Class Matthias

Zugtickets buchen

1. Zuglinie finden

Egal, wie man seine Tickets bucht, zunächst ist es hilfreich, herauszufinden, welche Züge überhaupt fahren. Auf der offiziellen Website der indischen Bahn gibt es eine Übersichtskarte über alle Zugstrecken in Indien, die wir sehr hilfreich fanden. Hier bekommt man schon mal einen Eindruck davon, welche Städte wie miteinander verbunden sind über die Schienen.

2. Zugnummer heraussuchen

Hat man seinen Start- und Zielbahnhof ausfindig gemacht, steht als nächstes die Suche nach dem richtigen Zug bzw. der Zugnummer an. Das kann man auch über die Website der Indian Railway machen oder über Cleartrip. Wir haben unsere Züge meistens über Cleartrip gesucht, weil wir die Seite übersichtlicher fanden. Hat man einmal eingegeben, wohin man fahren möchte, so kann man danach die gewünschte Zugklasse auswählen und bekommt angezeigt, wie viele Tickets für diesen Zug noch erhältlich sind.

Hat man seine Zugnummer und seine gewünschte Zugklasse herausgefunden, so gibt es nun zwei Möglichkeiten die Tickets zu buchen:

3a.Tickets vor Ort kaufen

An jedem Bahnhof in Indien gibt es Ticketschalter und an den meisten gibt es auch extra welche für Touristen. Hier muss man als erstes ein Formular ausfüllen, in dem man seine Zugnummer, das Reisedatum, Start- und Zielbahnhof sowie Wagenklasse einträgt. Ohne vorherige Recherche ist das mit der Zugnummer dann so eine Sache 😉 Geht aber auch! Wir haben beim ersten Ticketkauf keine Ahnung gehabt und die Frau am Schalter hat freie Tickets für uns gesucht. Dauert alles einfach länger und man muss bei jeder Verbindung erneut schauen, ob es noch freie Tickets gibt.

Indien Zugfahren Formular für Zugbuchung

3b.Tickets online kaufen

Ist man im Besitz einer indischen Handynummer, so kann man die Tickets auch bequem online kaufen. Die Handynummer benötigt man, um sich auf der Website von Indian Railway zu registrieren. Ohne diese Registrierung ist der Kauf von Zugtickets online nicht möglich. Auch über Cleartrip kann man Zugtickets kaufen, aber auch dort wird die Registrierung bei Indian Railway benötigt.

3c.Und wenn es keine Tickets mehr für meinen Zug gibt?

Dann heißt das noch lange nicht, dass du diesen Zug nicht nehmen kannst! Sind die Tickets für eine Klasse ausverkauft, gibt es in der Regel die Warteliste. Hier werden die Leute draufgesetzt und haben – je nach Wartelistenplatz – eine gute Chance, noch an Tickets zu kommen. Hat bei uns auch funktioniert. Über den aktuellen Platz auf der Warteliste kann man sich online informieren, indem man seine Ticketnummer eingibt.

Sollte die Warteliste schon zu lang oder sogar geschlossen sein, gibt es noch die Möglichkeit, an Taktal-Tickets zu gelangen. Das ist ein begrenzter Vorrat an Tickets, der einen Tag vor Abfahrt freigegeben und mit einem Preisaufschlag versehen wird. Wir dachten zunächst, dass man diese nur am Bahnhof erwerben kann und haben diese Option deswegen nicht genutzt. Von anderen Reisenden haben wir später aber erfahren, dass Taktal-Tickets auch online gekauft werden können. Der Preis ist etwas höher als für die eigentlichen Tickets und man muss schnell zuschlagen. Das ist aber sicher eine sehr gute Option für Spontanreisende!

Gleis und Zug finden

Um das richtige Gleis und den Zug zu finden, sollte man in Indien vorsichtshalber immer 30 Minuten Zeit einplanen. Wir haben es sogar geschafft, eine Stunde früher am Bahnhof zu sein und trotzdem unseren Zug nicht zu finden! Die Beschriftung der Gleise ist nämlich mal mehr und mal weniger eindeutig. Auf den endlosen Gleisen stehen manchmal zwei Züge voreinander und man sieht es einfach nicht, weil die so lang sind. Das Fragen von anderen Zugreisenden hat bei uns auch nicht immer geholfen, da Inder selten sagen, dass sie etwas nicht wissen und lieber irgendeine Antwort geben. Das half uns natürlich wenig 😉 In der Regel steht die Zugnummer am Zug dran und in der großen Bahnhofshalle sind elektronische Tafeln, auf denen die Gleise der abfahrenden und ankommenden Züge angezeigt werden.

Indien Zugfahren Bahnhof Franzi

Zielbahnhof finden

Vielleicht fragst du dich jetzt, was da so schwer dran ist 😉 Die Inder haben in den Zügen keine Anzeigen oder Durchsagen. Somit muss man sich draußen entweder an den Schildern auf dem Bahnhof orientieren, sich nach der Zeit richten, oder (so wie wir) immer mal wieder die App maps.me öffnen und seinen aktuellen Standpunkt nachsehen. Sonst kann es schnell passieren, dass man seinen Bahnhof verpasst.

Fazit Zugfahren in Indien

Auch wenn es nicht immer ganz leicht ist, in Indien an Zugtickets zu kommen, die Züge gerne mal Verspätung haben oder die Beschilderung an den Gleisen nicht so eindeutig ist: wir fanden das Zugfahren super! Die Fahrt selbst war immer entspannt, wir haben uns nett mit anderen Reisenden unterhalten können und sind so sehr bequem durchs Land gereist.

Ein letzter Tipp zum Schluss: Über die App von Cleartrip konnten wir unterwegs den aktuellen Aufenthalt des Zuges, Verspätung und Ähnliches abfragen. Die fanden wir sehr praktisch!

Mit Freu(n)den teilen

Haben wir ...
...dir bei der Reiseplanung geholfen?
...dich zum Reisen motiviert?
...dich zum Schmunzeln gebracht oder einfach unterhalten?

Warum auch immer dir dieser Beitrag gefällt, teile ihn doch mit deinen Freunden!

Ein Schöner Nebeneffekt: Damit unterstützt du uns. Vielen Dank dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.