Jaisalmer – Wüstenoase, Festung und Kamelsafari

Nach unserer holprigen Anreise aus Jaipur erreichten wir morgens den Busbahnhof in Jaisalmer. Unsere netten Gastgeber vom Hotel Fotyia* holten uns mit dem Jeep ab und schon wenig später fanden wir uns auf einer gemütlichen Dachterrasse mit Blick auf das Fort von Jaisalmer wieder. Die Stadt liegt am Rande der Thar Wüste und ist umgeben von sandigem Buschland – eine Landschaft wie aus 1001 Nacht! Wir fühlten uns direkt wohl und freuten uns darauf, wieder mehr Weiten und Natur erleben zu können.

Das Fort in Jaisalmer

Die Hauptattraktion in Jaisalmer ist das riesige Fort, das aus Sandstein erbaut wurde und eine der wenigen Festungen ist, die auch heute noch bewohnt ist! Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass man (endlich mal) keinen Eintritt zahlen muss, jippieh! Also haben wir uns schon an unserem ersten Tag auf den Weg durch die zahlreichen, vollgestopften Gassen gemacht um das Fort zu besichtigen. Schon von Weitem kann man sehen wie es über der Stadt auf einem Hügel thront. Von Nahem wird einem das Ausmaß dieser Festung aber erst so richtig klar. Wir haben uns zunächst durch die vielen kleinen Straßen treiben lassen und alles aufgesogen, was uns dort begegnet ist. Seien es die zahlreichen Kühe auf den Wegen, die vielen Händler, die uns Klamotten, Teppiche oder Schmuck verkaufen wollten oder eben auch die Bewohner, die wir durch die Hauseingänge beobachten konnten.

Indien Jaisalmer Fort

Das Leben spielt sich in den sandsteinfarbenen Häusern ab, die oftmals reich verziert sind und uns immer wieder zum Staunen brachten. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinsehen sollten! Letztendlich ist das Fort aber auch sehr touristisch – jedes zweite Haus beinhaltet ein Restaurant oder Guesthouse und überall werden Souvenirs vertickt. Wir haben uns gefragt, wer den ganzen Kram wohl kaufen soll, denn so viele Touristen waren gar nicht unterwegs.

Sonnenuntergang mit Blick auf das Fort

Um abends den Sonnenuntergang und die wechselnden Lichtverhältnisse zu beobachten, kletterten wir auf einen kleinen Aussichtspunkt unweit von unserem Hotel. Die Kinder und Jugendlichen zeigten uns eine Abkürzung, sodass wir plötzlich in FlipFlops einen steilen Geröllberg hinaufstiegen. Der Ausblick dort oben war klasse und wir genossen die ruhigen Abendstunden sehr! Für den Abstieg wählten wir die sichere Variante und nahmen dieses Mal die Treppen.

Indien Jaisalmer Fort Sonnenuntergang

Jain Tempel

Innerhalb der Festung befinden sich sieben Jain Tempel, die man für einen Eintritt von 200 Rupie pro Person alle besichtigen kann. Wir fanden den Preis in Ordnung und haben die reich verzierten Tempel alle besichtigt. Allerdings sind wir nur auf vier gekommen… da waren wohl mehrere Tempel in einem oder so 😉 Jainismus ist eine Religion, die ungefähr zur Zeit des Buddhismus auch als Gegenbewegung zum Hinduismus entstand. Heutzutage gibt es ca. 4 Millionen Anhänger, die überwiegend in Indien leben. Die Vorgaben der Jain sind sehr strikt, so wird Besitztum als überflüssig angesehen und keinem Lebewesen darf Leid zugefügt werden (die Anhänger sind dementsprechend Vegetarier und dürfen auch kein Leder tragen).

Indien Jaisalmer Jain Tempel

Havelis

In und um das Fort herum stehen alte, wunderschöne Havelis. Das sind Wohnhäuser von reichen Handelsmännern, die oft mehr an einen Palast erinnern als an ein Wohnhaus. In Rajhastan gehören sie zu den Wahrzeichen der Region und sind während der Blütezeit des Fernhandels im 18. und 19. Jahrhundert entstanden. Wir haben sie sehr gerne bestaunt und waren ganz hingerissen!

Kamelsafari

Einer der Hauptgründe für uns, nach Jaisalmer zu fahren, war die Nähe zur Wüste und damit die Möglichkeit einer Kamelsafari. Unser Hotelbesitzer machte uns ein gutes Angebot (1300 Rupie p.P./ ca. 17€) und so machten wir uns an unserem dritten Tag in Jaisalmer nachmittags auf den Weg in die Thar Wüste. Die ersten 40 Kilometer legten wir noch im Jeep zurück, danach sattelten wir um auf Kamele.

Rennkamel für Franzi

Wir hatten Glück, dass andere Reisende kurzfristig noch abgesprungen waren, denn so hatten wir die Wüste und unseren Guide Dilian für uns alleine 🙂 Bevor wir Fragen stellen konnten, wurden wir auf die beiden Kamele aufgeteilt, Franzi wurde die Leine ihres in die Hand gedrückt und dann setzte sich unsere kleine Karawane auch schon in Bewegung. Matthias saß auf dem 5-jährigen Rocket, der brav an der Leine unseres Kameltreibers lief, Franzi ritt auf Number One vorneweg. Mit einem Ohr konnte sie hören, wie unser Guide erzählte, dass Number One ein Rennkamel sei, während dieses immer mehr Abstand zwischen sich und den Rest der Truppe legte. Als der Abstand immer größer wurde und das Rennkamel keine Anstalten machte, einen Gang runterzuschalten, wurde Franzi langsam unruhig. Wie genau konnte man denn hier bitte bremsen? Ziehen an der Leine – was unser Kameltreiber von hinten rief – führte dazu, dass Franzi den Kamelhals fast im Gesicht hatte, aber nicht zur Geschwindigkeitsreduktion. Als Number One zum Fressen an einem der Büsche stehen blieb, konnten Matthias und sein Kamel aufschließen und nun lief unsere Truppe gemeinsam weiter.

Indien Jaisalmer Kamelsafari Franzi

So schaukelten wir glücklich hinein in die Thar Wüste. Um uns herum sahen wir viele Büsche, ritten über Sanddünen und an einem kleinen Dorf vorbei. Nach ungefähr einer Stunde kamen wir an einer Sanddüne an, bei dir wir übernachten sollten. Also ging es runter von den Kamelen und zu Fuß rein in die Sanddünen. Es war keine andere Menschenseele zu sehen und wir genossen es sehr, diese Weite und Abgeschiedenheit auf uns wirken zu lassen!

Kamelreiten wie die Profis

Unser Guide hatte in der Zwischenzeit einen leckeren Chai-Tee für uns gekocht. Wir versuchten uns danach darin, die Kamele wieder zusammenzutreiben, scheiterten aber kläglich. So musste Dilian eingreifen. Er bot uns auch an, mal ohne Sattel ein Kamel zu reiten und Matthias probierte es aus. Franzi konnte sich kaum halten vor Lachen, weil man nämlich hinter dem Höcker sitzt und sich daran festhalten muss. Als wir die Bilder nach der Safari noch mal durchgesehen haben, sind Tränen gekullert… vor Lachen! 😀

Indien Jaisalmer Kamelsafari Reiten ohne Sattel

In dieser schönen Kulisse sahen wir uns den Sonnenuntergang an und erlebten fasziniert das Farbenspiel auf den Sanddünen. Dilian kochte ein leckeres Curry und stellte sogar Chapati her – inklusive Teig machen, rollen und backen. Und das alles über offenem Feuer! Nachdem die Sonne untergegangen war, fielen auch die Temperaturen ziemlich deutlich und wir waren sehr froh, unsere Fleecejacken und Franzis Leggings eingepackt zu haben.

Indien Jaisalmer Kamelsafari Betten

Sternenhimmel in der Wüste

Unser Nachtlager bestand aus einer einfachen Pritsche mit ein paar Decken drauf. Wir lagen erst einmal eine ganze Weile da und bestaunten das Schauspiel über uns. Die Millionen Sterne! Wir konnten die Milchstraße sehen und Sternschnuppen beobachten. Und auch wenn der Schlaf in dieser Nacht nicht der beste war, so erfreuten wir uns bei jedem Aufwachen wieder über diesen sensationellen Ausblick, der sich mit jedem Aufwachen wieder ein bisschen veränderte!

Indien Jaisalmer Kamelsafari Sternenhimmel

Am nächsten Morgen sahen wir die Sonne aufgehen und wärmten uns am Feuer mit einem frischen Chai-Tee. Nach einem kurzen Frühstück wurden die Kamele gesattelt und es ging wieder zurück. Heute tauschten wir und Matthias bekam das Rennkamel. Zu seiner Enttäuschung ist das morgens aber nicht so lauffreudig und benötigte einiges an Aufforderung, um seinen Hintern vorwärts zu bewegen. Nach einer Weile verfielen wir von dem gemächlichen Trott in einen leichten Trab, war das schaukelig! Kamelreiten ist schon so eine wippende Bewegung, die beim Traben durch Schütteln ergänzt wird. Wir haben uns schlapp gelacht.

Indien Jaisalmer Kamelsafari Matthias

Diese Kamelsafari rundete unseren Aufenthalt in Jaisalmer wunderbar ab! Wir haben die Ruhe und vor allem Stille sehr genossen. Nach dem Dauergehupe in Jaipur haben die Tage richtig gut getan und wir sind wieder bereit für ein bisschen mehr Stadtleben 🙂

Willst du mit in die Wüste schaukeln? Wir nehmen dich mit! Ab in den Sattel und Play drücken 😉

Mit Freu(n)den teilen

Haben wir ...
...dir bei der Reiseplanung geholfen?
...dich zum Reisen motiviert?
...dich zum Schmunzeln gebracht oder einfach unterhalten?

Warum auch immer dir dieser Beitrag gefällt, teile ihn doch mit deinen Freunden!

Ein Schöner Nebeneffekt: Damit unterstützt du uns. Vielen Dank dafür!

4 Kommentare zu “Jaisalmer – Wüstenoase, Festung und Kamelsafari

  1. Ihr Lieben, das sind unbeschreiblich schöne Bilder!!! Vielen Dank, dass ihr euch soviel Mühe gebt uns daran teilhaben lasst. Ich freu mich schon auf die nächsten Videos:)
    Liebe Grüße aus dem kalten Göttingen, Charly

    1. Hey Charly!
      Schön, dass du unsere Reise mitverfolgst, gerne nehmen wir dich mit.
      Bald hoffentlich auch in Länder, die du als Vielgereiste noch nicht kennst 🙂
      A propos – du als Indien-Expertin: noch irgendwelche Tipps? Speziell, was man gegessen haben MUSS?

      Grüße aus dem Süden Indiens

  2. Hey ihr Zwei,

    Julian und ich verfolgen fleißig alle eure Berichte und Videos… und freuen, ärgern und staunen mit euch 🙂
    Scheinbar seid ihr bisher ja von schlimmeren Magen-Darm-Katastrophen verschont geblieben. Wir drücken euch die Daumen, dass das so bleibt und wünschen euch noch super viel Spaß in Indien!

    Fühlt euch fest gedrückt von
    Julian und Kathrin

    1. Hallo ihr beiden, schön, dass ihr so virtuell mit uns mitreist! Wir haben schon öfter auf euren Blog geschaut um uns Anregungen zu holen und zu schauen, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt 😉 Franzis Magen war die letzten Tage etwas „aufgewühlt“ aber sonst sind wir wirklich gut durchgekommen. Euer Tipp mit den Kapseln ist Gold wert!

      Ganz liebe Grüße aus dem Kashi Art Café in Cochi!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.