Jaipur – Großstadtstress und Bargeldmangel

Jaipur war unsere erste größere Stadt im Staat Rajhastan, der beliebt ist bei Touristen und bekannt für seine großen Festungen, die an die Zeiten der Maharadschas erinnern. So besagt es die Theorie. Nach unserem Aufenthalt verbinden wir mit Jaipur vor allem lautes Gehupe, viele geschlossene oder leere Geldautomaten und Sehenswürdigkeiten mit enormer Preissteigerung. Somit mussten wir feststellen: Jaipur, du bist irgendwie nix für uns!

Woran hat es gelegen?

Wir sind in Urlauben selten lange in großen Städten, da wir bisher Museen und alten Gebäuden wenig abgewinnen konnten. Wir sind gerne in der Natur, erkunden auf eigene Faust und erlaufen Dinge. Nun macht Laufen in Städten in Indien nur bedingt Spaß! Es gibt keine Fußgängerwege, also läuft man in der Regel auf der Straße, inmitten der laut hupenden Autos, Motorräder, Rikschas und Busse. Der Smog tut sein übriges, sodass es kein gemütlicher Stadtspaziergang wird. Wir sind dennoch die meisten Wege gegangen und haben uns das Geld (und die Nerven fürs Verhandeln mit den Rikschafahrern) gespart.

So waren wir an zwei Tagen inmitten der Pink City, einem Gewirr an kleinen kleinen Gassen zwischen rosa gestrichen Häusern. Hätten wir es vorher nicht gewusst, wäre uns die Farbgebung vermutlich nicht aufgefallen, der Name scheint etwas übertrieben 😉 In den kleinen Länden wurde überall etwas verkauft oder hergestellt und wir fanden es spannend, den Leuten beim Bedrucken oder Stempeln von Blättern zuzusehen oder an den vielen Gewürzen zu schnuppern.

Indien Jaipur Chilis

Geldmangel

Der weiterhin herrschende Bargeldmangel erschwerte uns hier in Jaipur das Leben. Vergebens klapperten wir die Geldautomaten in den Straßen ab – sie waren entweder gleich ganz aus oder leer. Und die Inder wussten genauso wenig wie wir wann einer der lang ersehnten Cash Trucks zu einem Geldautomaten kommen würde. Daher ging einiges von unserer Zeit dafür drauf, Geldautomaten ausfindig zu machen, in Schlangen anzustehen und die Frustration auszuhalten, wieder Pech gehabt zu haben. Dafür kann die Stadt Jaipur natürlich nichts… Als wir dann in unserem Hostel Hathroi Guesthouse* mit Bargeld zahlen mussten (eigentlich sollte Kreditkarte funktionieren) war das Geld auch schon wieder weg 😉

Hohe Eintrittspreise

Bekannt ist Jaipur für seinen City Palace und das Amber Fort. Also sind wir Richtung des Stadtpalastes gewandert und wurden dort (mal wieder) mit horrenden Eintrittspreisen geschockt! Das war in Kombination mit dem Mangel an Bargeld irgendwann einfach zu viel des Guten. Für fast alle Sehenswürdigkeiten werden von Touristen in Indien 500 Rupie verlangt. Umgerechnet sind das knapp 7 €uro, klar, das ist nicht die Welt. Allerdings zahlen Inder oft nicht einmal ein Zehntel des Eintrittspreises und recherchiert man nach Preisen für uns Touristen, so findet man, dass innerhalb der letzten zwei Jahre alle noch einmal ordentlich angehoben wurden, oft um das Doppelte. Auf die Preisangaben in unserem Lonely Planet schlagen wir inzwischen bei unserer Planung schon pauschal 50-100% drauf, weil das näher an der Realität liegt.

So führten Bargeldmangel, hohe Eintrittspreise und unser knappes Weltreisebudget letztendlich dazu, dass wir uns weder das Fort noch den City Palace ansahen. Es fiel uns unheimlich schwer, abzuwägen, ob es den Preis (und das letzte Bargeld) wert wäre, sich eines der Gebäude anzusehen. Von anderen Touristen hörten wir, das sei es nicht.

Um zumindest einen tollen Ausblick über die Pink City zu bekommen, entschlossen wir uns, ein Minarett zu besteigen. Es war mit nur 10 Rupie für Touristen im Reiseführer von 2012 angegeben. Als wir ankamen, wurden wir wieder enttäuscht. Auf 200 Rupie war der Preis angehoben worden – eine zwanzigfache Steigerung in vier Jahren! Ärgerlich, denn wir fühlten uns geschröpft. Es passt einfach nicht zum restlichen Preisniveau des Landes und vor allem nicht zu unserer Planung 😉

Arztbesuch

Erschwerend kam schließlich für Franzi noch ein Zeckenbiss hinzu. Die Zecke hatte schon vor 10 Tagen in Lakhnau in ihrer Kniekehle gehockt und wir hatten sie professionell mit einer Pinzette entfernt. Inzwischen hatte sich die Haut darum allerdings entzündet und Franzi fühlte sich permanent schlapp und müde. Also suchten wir einen Arzt auf. Dafür gingen wir in die Welfare Clinic – ein Raum mit Vorhalle, in dem ein Arzt praktizierte. Leider hatten wir die Kamera nicht dabei, das wäre sicherlich interessant gewesen! Der Arzt entfernte noch etwas vom Insekt aus der Wunde. Dafür desinfizierte er die Stelle und nutzte eine sterile Nadel, das beruhigte uns! Er machte es aber im Dämmerlicht seines Büros und legte die blutige Nadel samt Zeckenresten dann einfach auf seinem Schreibtisch ab, so viel zur Sterilität 😀 Wir hoffen, dass die Entzündung jetzt zurückgeht und diese Erfahrung eine weitere Anekdote unserer Weltreise ohne Negativfolgen ist. Gut war, dass die ganze Behandlung inklusive Medikament keine 4€ gekostet hat!

Lichtblicke

Für Lichtblicke in unserer sonst gedrückten Stimmung sorgten mal wieder die Inder selbst. Als wir uns an einem Geldautomaten anstellten, um wieder an Bargeld zu kommen, wurden wir von allen vorgelassen. Super nett! Und das Limit pro Abhebung wurde auf 2500 Rupie (35€) erhöht!

Die Rettung unserer Stimmung war letztendlich das Nibs Café! Es nennt sich Chocolataria und serviert neben fantastischen Desserts auch Pizza und andere Snacks. Wir haben an einem Nachmittag den Schokoshake, eine Pizza und einen warmen Walnussbrownie mit Eis genossen. Es war himmlisch! Hätten wir das mal vorher entdeckt 😉 Wir verbrachten am folgenden Tag die Stunden bis zur Abfahrt unseres Zuges wieder in dem Café, genossen die entspannte Atmosphäre und das tolle Essen. Dieses Mal gab es noch tolles Brot mit leckeren Dips und die Spezialität des Hauses – den völlig übertriebenen Waffelturm!

Indien Jaipur Nibs Cafe

Zug verpasst

Und so wollten wir aufgetankt mit Zucker auf unsere erste Nachtfahrt mit dem Zug nach Jaisalmer starten! Aber selbst die Abfahrt gestaltete sich als Herausforderung. Überpünktlich waren wir eine Stunde vor Abfahrt unseres Zuges am Bahnhof angekommen und zum Gleis marschiert. Dort versicherten wir uns mehrmals bei anderen Reisenden, dass wir auf dem richtigen Gleis sind und dies wurde immer bestätigt. Bahnhofspersonal ist an den Gleisen entweder nicht vorhanden oder bis zur Unkenntlichkeit getarnt. Als es irgendwann 15 Minuten nach geplanter Abfahrt war und unser Zug nicht mehr angezeigt wurde, wurden wir doch nervös und fragten weiter nach. Und dieses Mal wurde uns gesagt, unser Zug sei schon abgefahren und zwar auf einem anderen Abschnitt des Gleises. WAS?!?! Das konnte doch nicht wahr sein!

War es aber leider. Zug weg, Ticket futsch und Franzi zwischen Wutausbruch und Tränen. Der nächste Zug in der Nacht hatte eine Warteliste von 68 Leuten, also keine Chance, da reinzukommen. Und am nächsten Tag würde kein Zug durchfahren nach Jaisalmer. Die Aussicht, weitere Tage in Jaipur verbringen zu müssen, war alles andere als verlockend zu dem Zeitpunkt. Als wir aber entdeckten, dass wir nicht die einzigen Reisenden waren, die diesen Zug verpasst hatten, fühlten wir uns etwas besser. So fiel es auch leichter, die Schuld auf die unpassende Beschilderung der Bahngleise und das mangelnde Personal zu schieben! 😉 Gemeinsam mit Greg, Frida und einem Australier, dessen Namen wir leider wieder vergessen haben, konnten wir einen Bus für den selben Abend buchen und bekamen sogar noch eine Doppelschlafkabine.

So verließen wir dann um 21 Uhr endlich Jaipur und schaukelten in Richtung JaisalmerNeue Stadt – neues Glück 🙂

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