Finanzkrise in Indien

Am Abend des 8. Novembers verkündete der indische Präsident Modi, dass ab dem folgenden Tag die 500 und 1000 Rupie Scheine wertlos seien. Dies sei eine notwendige Aktion in der Bekämpfung von Schwarz- und Falschgeld. Gleichzeitig rief er den 9. November als Bankfeiertag aus und die 1,2 Milliarden Inder dazu auf, den Tag der Ehrlichkeit zu feiern. Danach soll es ein Limit von 2000 Rupie an Geldautomaten geben und der größte Schein ist erstmal der 100 Rupie Schein – umgerechnet sind das ca.1,30€!

Wir bekamen das am Morgen des 9. November von unserem Gastgeber erzählt und konnten es überhaupt nicht glauben! Kurzfristig zogen wir in Erwägung, dass er uns irgendeinen Quatsch erzählt. Man liest ja viel über die absurdesten Tricks der Inder, um einem Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber unseren Gastgeber hatten wir bis dahin als einen sympathischen und hilfreichen Mann empfunden. Wir zogen Google zu Rate und fanden diesen Artikel, der das eben Gehörte bestätigte.

Indien Finanzkrise Rupie Scheine

Na toll! Wir saßen auf einem Vorrat von vierzig 500 Rupie Scheinen, das sind immerhin 270€! Das sollte jetzt alles dahin sein?! Unser Gastgeber versicherte uns, dass wir unser Zimmer bei ihm mit diesen Scheinen bezahlen können. Für die Inder sieht es so aus, dass sie die Möglichkeit haben, die großen Scheine in die Banken auf ihre Konten einzuzahlen. Dabei soll dann überprüft werden, ob es sich um Falschgeld handelt. Außerdem sind sie so gezwungen, nicht versteuertes Geld auf ihre Konten einzuzahlen, weil die Scheine ab 2017 sonst einfach komplett wertlos sind und auch nicht mehr auf Konten eingezahlt werden können.

Die Auswirkungen der Finanzkrise in der Stadt

Als wir am Mittwoch in die Stadt schlenderten und nach etwas zu essen suchten, sahen wir Aushänge in Hindi, mit den Zahlen 500 und 1000. Hier wurden die Kunden darüber informiert, dass diese Scheine nicht akzeptiert werden. Alle hielten sich brav an die Vorgabe und wir mussten sehen, wie wir mit unseren restlichen kleinen Scheinen über die Runden kommen. Gut, dass wir unsere Kreditkarte von Santander dabei hatten, mit der wir weltweit ohne Zusatzkosten zahlen können. So konnten wir uns Essen in einem Supermarkt kaufen und damit zahlen. Die Sehenswürdigkeit, die wir uns an dem Tag ansehen wollten, konnten wir leider nicht besichtigen, weil der Eintritt dort nur mit den kleinen Scheinen beglichen werden durfte. Was ein Chaos!

Indien Finanzkrise Aushang

Geldtausch im Post Office

Am Donnerstag sollten die Banken und Geldautomaten wieder geöffnet sein und die große Umtauschaktion starten. Wir ließen uns zum Main Post Office fahren und sahen auf dem Weg dorthin immer wieder lange Schlangen vor Geldautomaten. In der großen Post war auch richtig viel los und wir bekamen Zettel zum Ausfüllen ausgehändigt, auf denen wir eintragen sollten, wie viel Geld wir in kleinere Scheine tauschen wollten. Pro Person gab es allerdings ein Limit von 4000 Rupie (ca. 54€).

Indien Finanzkrise Postbüro

Bevor wir mit dem Ausfüllen anfangen konnten, kam auch schon ein Kamerateam auf uns zu. Wir wurden vor laufender Kamera interviewt und nach unserer Meinung zu dem Ganzen gefragt. Vermutlich sind wir also im indischen TV zu finden 😉 Danach erfuhren wir, dass wir zur Beantragung des Geldwechsels Kopien unserer Pässe benötigen. Ein netter Inder ging mit Matthias zu einem kleinen Laden in der Nähe und machte die Kopien für uns. Danach wurden wir aus der Schlange gefischt und hinter den Schalter geführt. Die netten Inder boten uns an, die doppelte Menge an Geld zu tauschen und wir konnten dort in Ruhe 16000 (statt 8000) Rupie eintauschen. Danach hatten wir dann aber auch 160 Geldscheine in unseren prall gefüllten Geldbeuteln.

Indien Finanzkrise 100 Rupie Scheine

Wir wurden extrem entgegenkommend behandelt und waren unendlich erleichtert, dass wir nun wieder Bargeld hatten und die großen Scheine nicht einfach dahin waren. Während des ganzen Wechselvorgangs machten mehrere Fotografen Bilder von uns und auf dem Weg aus dem Postgebäude gab es ein kurzes Blitzlichtgewitter. Inmitten dieses ganzen Chaos sind wir als Ausländer im wenig touristischen Lakhnau noch zu Berühmtheit gekommen 🙂

Rush for Cash

Mit den vielen kleinen Scheinen sind wir an dem Tag noch zum Bahnhof gefahren und haben ganze fünf Zugtickets erstanden, sodass die nächsten Stopps auf unserer Reise durch Indien feststehen. Unser Plan war es, am nächsten Tag noch mal Geld abzuheben, da es momentan ein Limit von 2000 IRP (ca. 27€) pro Abhebung am Geldautomaten gibt. Als wir durch die nächste Stadt (Agra) streiften, sahen wir allerdings nur geschlossene Automaten und immer wieder „Out of service“-Schilder. Vor einer Bank warteten ca. 300 Menschen darauf, ihre großen Scheine einzahlen oder umtauschen zu können. In den Nachrichten wurde vom „Rush for Cash“ (Andrang auf Bargeld) berichtet und Bilder aus dem ganzen Land gezeigt, auf denen Menschenmassen vor Bankfilialen zu sehen waren.

Indien Finanzkrise Anstehen

Als wir abends im Gemeinschaftsraum des Hostels saßen, kam plötzlich ein anderer Gast und verkündete, dass der Geldautomat direkt um die Ecke Geld ausspuckt. Da wurde es auf einmal wuselig, alle holten ihre EC- und Kreditkarten und pilgerten zum Automaten. Davor hatte sich schon eine Schlange gebildet, die allerdings nicht vergleichbar mit denen tagsüber war. Franzi stellte sich zwischen die Inder und erlebte mal wieder die große Freundlichkeit der Leute. Obwohl alle nach dem Bargeld lechzten, boten sie ihr an, vorzugehen und Bargeld abzuheben. Da wir aber ja nicht total knapp bei Kasse waren, lehnte sie dankbar ab. Die Stimmung vor dem Automaten war ausgelassen, alle freuten sich, gleich 2000 Rupie zu bekommen. Die Inder berichteten, dass das insgesamt eine super Aktion sei. Sie seien sehr zufrieden mit ihrem Präsidenten und erzählten, dass er in den letzten 2 Jahren viel erreicht habe im Kampf gegen Korruption und Schwarzgeld.

Indien steht Schlange

Und so kommen wir wieder zu Geld. Die Inder vor dem funktionierenden Geldautomaten meinten scherzhaft „All people of India are waiting in line“ (alle Inder stehen Schlange) und tatsächlich ist es wegen der langen Wartezeiten wohl schon zu 3 Toten gekommen, die kollabiert sind nach sehr langer Wartezeit. Die Menschen haben ihre Läden zugelassen, um sich in den endlosen Warteschlangen anzustellen, getrieben von der Angst, dass ihnen das wichtigste Zahlungsmittel (Bargeld) ausgeht.

Es ist eine spannende Erfahrung, diesen für Indien historischen und wichtigen Moment mitzuerleben. Wir sahen zuerst nur die Nachteile und waren verblüfft über diese Aktion. Es scheint aber, dass die Mehrheit der Inder hinter diesem Schritt steht und es im Kampf gegen das Schwarzgeld und die Korruption im Land notwendig war. Trotzdem die Menschen selbst Schwierigkeiten haben, an Bargeld zu kommen, haben sie sich uns gegenüber sehr zuvorkommend verhalten. Wir können uns schwer vorstellen, dass eine ähnliche Aktion in einem westlichen Land mit so viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit ablaufen kann.

Mit Freu(n)den teilen

Haben wir ...
...dir bei der Reiseplanung geholfen?
...dich zum Reisen motiviert?
...dich zum Schmunzeln gebracht oder einfach unterhalten?

Warum auch immer dir dieser Beitrag gefällt, teile ihn doch mit deinen Freunden!

Ein Schöner Nebeneffekt: Damit unterstützt du uns. Vielen Dank dafür!

Ein Kommentar zu “Finanzkrise in Indien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.